Schritt für Schritt in eine erneuerbare Zukunft
Die drei Mehrfamilienhäuser an der Zelglistrasse in Wangen bei Dübendorf gehören zu jener Sorte Gebäude, denen man tagtäglich begegnet – und die gerade deshalb spannend sind. Baujahr 2005, 21 Eigentumswohnungen, ruhige Nachbarschaft. Ein Ort, an dem man ankommt und bleiben möchte.
Wie viele Bauten dieser Generation waren auch diese Häuser ursprünglich klassisch mit einer zentralen Ölheizung ausgestattet. Und das funktionierte jahrelang. Doch mit der Zeit wurde klar, dass diese Ausgangslage nicht zukunftsfähig bleiben würde. Die Eigentümerschaft entschied sich deshalb bewusst dafür, die energetische Entwicklung der Liegenschaft nicht dem Zufall zu überlassen, sondern schrittweise und vorausschauend anzugehen.
Lieber früher planen als später reagieren
Als die Ölheizung rund 18 Jahre in Betrieb war, begannen die Überlegungen für einen Ersatz. Zwar funktionierte das System noch, doch der Verbrauch von rund 27’000 Litern Heizöl pro Jahr sowie eine anstehende Tankrevision machten deutlich: Wer wartet, bis nichts mehr geht, hat am Ende weniger Optionen.
Der Entscheid fiel dabei nicht einstimmig – wie bei demokratischen Entscheidungen üblich. Ein Teil der Eigentümerschaft hätte gerne fossil weitergeheizt. Am Ende setzte sich jedoch die Perspektive durch, frühzeitig zu handeln und die Weichen in Richtung Zukunft zu stellen.
Ein klarer Entscheid für erneuerbare Wärme
Geprüft wurden verschiedene Varianten: Pelletlösung? Interessant, aber wegen Lagerraum, Aufwand (mehrere Füllungen pro Jahr) und Unterhaltsarbeiten nicht ideal. Erdsonden? Aufgrund der Situation vor Ort keine Option (Zone B/Grundwasser). Auch eine Grundwasser-Wärmenutzung schied aus, da die erforderliche Entzugsleistung zu hoch gewesen wäre.
Am Ende fiel die Wahl auf eine Luft/Wasser-Wärmepumpenanlage. Ausschlaggebend waren die gute Umsetzbarkeit im Bestand, die langfristige Wirtschaftlichkeit sowie die Möglichkeit, sich konsequent von fossiler Energie zu verabschieden.
Der Heizungsersatz wurde 2023 umgesetzt, nachdem der Entscheid innerhalb der Eigentümerschaft ein Jahr zuvor gefällt worden war. Die neue Anlage arbeitet mit rund 110 kW und deckt den Leistungsbedarf der drei Gebäude zuverlässig ab.
Eine Sanierung der Gebäudehülle war im Rahmen dieses Projekts nicht vorgesehen, da die Gebäudehülle bereits auf einem guten energetischen Niveau ist.
Umbauen, während das Leben weiterläuft
Der Umbau hat gewisse Anforderungen an Planung und Ablauf gestellt. Die bestehende Heizung musste während der Arbeiten weiterhin Warmwasser liefern, weshalb der Ersatz bei laufendem Betrieb erfolgte. Der Zeitpunkt im Herbst erwies sich dabei als günstig: Die eigentliche Heizperiode hatte noch nicht begonnen. Dank sorgfältiger Planung und Koordination kam es für die Bewohnerinnen und Bewohner zu keinen spürbaren Einschränkungen oder Unterbrüchen. Und vor Wintereinbruch war der Umbau auch bereits abgeschlossen und das neuen Heizsystem konnten in Betrieb genommen werden.
Im Betrieb zeigte sich, dass Wärmepumpen anders funktionieren als fossile Systeme. Sie reagieren ein bisschen langsamer, dafür konstanter. Das war im ersten Moment eine leichte Umgewöhnung. Nach einer kurzen Phase der Feinjustierung läuft die Anlage stabil, leise und mit deutlich geringerem Unterhaltsaufwand. Technik, die nicht auffällt, ist im Wohnalltag meist die beste.
Der nächste Schritt
Nach dem Heizungsersatz rückte ein weiteres Thema in den Fokus: die Elektromobilität. Zwar gab es bereits zwei Ladeanschlüsse, doch die Nachfrage nahm spürbar zu. Statt einzelne Lösungen anzubringen, entschied sich die Eigentümerschaft für einen ganzheitlichen Ansatz.
Umgesetzt wurde eine komplette Grundinstallation für sämtliche Parkplätze. Aktuell stehen vier Ladepunkte zur Verfügung, weitere können bei Bedarf problemlos ergänzt werden. Um den Aufwand für Verwaltung und Nutzende möglichst gering zu halten, wurde ein Betreibermodell gewählt, bei dem die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) die Ladeinfrastruktur ganzheitlich betreibt: von der Planung und den Bau über die Inbetriebnahme bis zum laufenden Betrieb. Dazu gehören Wartung, Support sowie eine verbrauchsgenaue Direktabrechnung inklusive 24/7-Service-Hotline.
Fördergelder als Rückenwind
Für die Wärmepumpe wurden rund 12’000 Franken (Gesamtkosten des Projekts ca. 250’000 Franken) gesprochen.
Spürbare Wirkung für heute und morgen
Mit dem Ersatz der Ölheizung ist die Liegenschaft heute fossilfrei beheizt. Gegenüber dem früheren Heizölbetrieb können damit jährlich rund 70 Tonnen CO2 eingespart werden. Auch finanziell zeigt sich eine Wirkung: Allein bei den Energiekosten liegen die Einsparungen je nach Jahr zwischen 17’000 und 19’000 Franken. Zusätzliche Effekte wie der Wegfall der Kaminreinigung oder Tankrevisionen sind darin noch nicht berücksichtigt. Für Heizung und Warmwasser betragen die Nebenkosten heute nur noch rund ein Drittel der ursprünglichen Kosten.
Mit der Ladeinfrastruktur kommt ein zweiter Nutzen dazu: Elektrofahrzeuge lassen sich bequem zu Hause laden. Ein entscheidender Faktor dafür, dass E-Mobilität im Alltag überhaupt praktikabel wird. Und die Verwaltung wird dank automatisierter Prozesse und Direktabrechnung administrativ entlastet.
Beide Massnahmen zahlen nebst dem umweltschonenden Faktor auf ein weiteres Ziel ein: langfristiger Werterhalt. Unabhängig davon, wie sich Energiepreise, Vorschriften oder Mobilitätsgewohnheiten entwickeln, diese Gebäude sind heute deutlich besser auf die Zukunft vorbereitet als noch vor wenigen Jahren.
Das Projekt in Wangen bei Dübendorf zeigt also, wie energetische Sanierungen im Bestand sinnvoll umgesetzt werden können: schrittweise, technisch durchdacht und mit Blick auf den langfristigen Nutzen.
Energetische Massnahmen
Investitionen und Förderung
Heizungsersatz (Luft/Wasser-Wärmepumpe): ca. 250'000 Franken
Davon Förderung durch das Gebäudeprogramm: 12'000 Franken
Eingesparte Emissionen und Kosten
CO2-Einsparung: rund 70 t/Jahr
Einsparung Energiekosten: ca. 17’000–19'000 Franken/Jahr
Nebenkosten Heizung/Warmwasser: heute ca. 1/3 der ursprünglichen Kosten